EDC17, MED17, MEVD17 klonen: Welche Steuergeräte sich klonen lassen – und welche nicht
ECU-Software

EDC17, MED17, MEVD17 klonen: Welche Steuergeräte sich klonen lassen – und welche nicht

26. Oktober 2026
13 min Lesedauer
Rayen Slimane

Zuletzt aktualisiert: 31. Oktober 2026

Warum die Gerätegeneration über alles entscheidet

Ein Steuergerät ist ein kleiner Computer: Prozessor, Flash-Speicher, EEPROM, Spannungsversorgung, Treiberstufen. Beim Klonen werden die Speicherinhalte von einem Gerät auf ein anderes übertragen. Wie aufwendig das ist, hängt fast vollständig an drei Dingen:

  1. Welcher Prozessor verbaut ist (und wie er kontaktierbar ist)
  2. Ob ein externer Flash-Baustein existiert oder der Flash im Prozessor liegt
  3. Ob das Gerät softwareseitig verriegelt ist

Die Bosch-Familien EDC16, EDC17, MED17 und MEVD17 unterscheiden sich genau in diesen Punkten – deshalb gibt es keine Pauschallösung und keine Pauschalpreise.

Die Bosch-Familien im Vergleich

FamilieEinsatzProzessor (typisch)ZugriffBesonderheit
EDC16Diesel, ~2001–2010MPC5xx (Freescale/NXP)Bench oder Bootexterner Flash vorhanden, gut dokumentiert
EDC17Diesel, ab ~2007Infineon TriCore TC17xxmeist Boot nötigSoftware-Verriegelung (TPROT), Virtual EEPROM im Flash
MED17Benzin-DirekteinspritzungInfineon TriCore TC17xxmeist Boot nötigwie EDC17, andere Applikation
MEVD17Benzin, BMW/MiniInfineon TriCore TC17xxmeist Boot nötigenge Verzahnung mit Fahrzeug-Codierung

Für einen echten 1:1-Vollklon gilt bei allen Familien derselbe Grundsatz: Prozessor, externer Flash und EEPROM müssen gemeinsam gelesen und geschrieben werden. Ein Klon, der nur den EEPROM überträgt, ist kein Klon – er ist ein Datenfragment.

EDC16: die gutmütige Generation

EDC16-Geräte sind technisch der dankbarste Fall. Der Prozessor stammt aus der Freescale/NXP-MPC5xx-Reihe, der Applikations-Code liegt häufig in einem separaten externen Flash-Baustein, und die Wegfahrsperren-Daten sitzen in einem kleinen EEPROM. Diese Trennung macht die Arbeit nachvollziehbar und prüfbar.

Typische Kombinationen aus unserer Praxis:

SteuergerätProzessorExterner FlashEEPROM
EDC16CP34 (VAG)MPC563 / MPC564M58BW016DB95320
EDC16U1 (VAG)MPC555 / MPC556Am29BL802C95320
EDC16U31 / U34 (VAG)MPC561 / MPC562M58BW016DB95320
EDC16C1 (BMW)MPC555 / MPC556Am29BL802C95160 / 95320
EDC16C31 (BMW)MPC555/556 oder MPC561/562M58BW016DB95160 / 95320
EDC16C35 / CP35 (BMW)MPC561/562 oder MPC563/564M58BW016DB95320 / 95640
EDC16C2 (Mercedes)MPC555 / MPC556Am29BL802C95160 / 95320
EDC16CP31 (Mercedes)MPC563 / MPC564M58BW016DB (2 MB)virtuell im Flash
EDC16C34 / C3 (PSA)MPC561/562 bzw. 555/556M58BW016DB bzw. Am29BL802C95160 / 95320
EDC16C7 (Ford)MPC555 / MPC556Am29BL802C95160 / 95320
EDC16C8 / C39 (FCA)MPC555/556 bzw. MPC561/562Am29BL802C bzw. M58BW016DB95320 / 95640
EDC16C9 (GM/Opel)MPC555 / MPC556Am29BL802C95160 / 95640

Zwei Sonderfälle sind wichtig:

  • EDC16CP31 (Mercedes): Hier gibt es kein physisches EEPROM-Bauteil – die entsprechenden Daten liegen virtuell im Prozessor-Flash. Wer hier nach einem EEPROM-Chip sucht, sucht vergeblich. Zusätzlich muss der interne MPC-Flash (516 KB) mit bearbeitet werden.
  • EDC16C35 / EDC16CP35: Die Bestückung schwankt je nach Baujahr. Mal sitzt ein 95320, mal ein 95640. Deshalb ist die Sichtprüfung der Platine vor dem Auslesen Pflicht – nicht die Annahme.

EDC17 und MED17: die verriegelte Generation

Bei EDC17 und MED17 kommt eine zusätzliche Hürde dazu: TPROT. Das ist eine herstellerseitige Verriegelung, die den Zugriff auf bestimmte Speicherbereiche über die normale Diagnoseschnittstelle unterbindet. Ein Vollklon setzt hier in der Regel einen Boot-Zugriff voraus: Der Prozessor wird beim Start abgefangen, bevor die Verriegelung greift.

Praktische Konsequenzen:

  • Über OBD ist kein Vollklon möglich. Wer das behauptet, überträgt entweder nur einen Teil oder arbeitet mit einem anderen Verfahren.
  • Der Zugriff erfolgt direkt am Gerät – Gehäuse öffnen, Platine kontaktieren, Prozessor in den Boot-Zustand bringen.
  • Der Aufwand ist höher, also auch der Preis. Ein 149-€-Angebot für ein EDC17-Gerät ist ein Warnsignal.

MEVD17: BMW und Mini

MEVD17 ist die Benzin-Direkteinspritzer-Familie, die vor allem bei BMW und Mini verbreitet ist. Technisch gilt dasselbe wie bei EDC17. Die zusätzliche Herausforderung ist die enge Verzahnung mit der Fahrzeug-Codierung: Das Gerät kennt die Ausstattung des Fahrzeugs. Beim Klonen auf ein Spender-Gerät müssen deshalb nicht nur Software und Wegfahrsperre, sondern auch die Variantenkodierung mit übernommen werden – sonst passen Ausstattungscodes und Leitungssätze nicht zusammen.

Weitere Familien, die uns häufig begegnen

FamilieHerstellerBesonderheit beim Klonen
SID (SID803, SID807)Siemens/ContinentalDiesel, teils mit Partikelfilter-Logik im Gerät
SIMOS (PCR 2.1, 18.x)ContinentalVAG-Benziner, Codierung stark fahrzeuggebunden
MJD (6JF, 6JO, 8F)MarelliFiat/Opel-Diesel, verbreitet, gut zugänglich
IAWMarelliBenziner Kleinwagen
DELPHI (DCM3.x)DelphiFord/PSA-Diesel
DENSODensoToyota/Suzuki-Diesel
SCR / AdBlue-Modulediverseeigenes Steuergerät für Harnstoffeinspritzung
EZS / EISMercedesZündschloss, Teilenummer statt HW/SW-Nummer
BCM / SAMMercedesZentralelektrik, Teilenummer entscheidend
TCUdiverseGetriebesteuergerät, z. B. DSG DQ200

Die harte Grenze: Hardware und Software müssen passen

Das ist die Regel, an der nichts zu drehen ist:

Voraussetzung für ein Cloning ist ein Spender-Gerät mit identischer Hardware-Nummer und identischem Software-Stand. Bei abweichender Hardware oder Software ist kein 1:1-Cloning möglich.

Warum ist das so streng? Weil der Klon byte-identisch sein muss. Unterschiedliche Hardware bedeutet unterschiedliche Pin-Belegung, andere Treiberstufen, andere Sensorik. Unterschiedliche Software bedeutet eine andere Applikation für eine andere Abgasnorm oder Leistungsstufe. Ein „passend gemachter“ Klon ist kein Klon, sondern eine Bastelei.

Bei Mercedes EZS, BCM und SAM tritt an die Stelle von HW/SW-Nummer die Teilenummer (etwa HC12, ST12, 1J35D). Diese prüfen wir vorab anhand der Typenschilder.

Was Sie vor der Anfrage bereithalten sollten

Vier Angaben reichen für eine verbindliche Auskunft:

  1. Fahrzeug: Marke, Modell, Baujahr, Motor
  2. Steuergerät: Bezeichnung (z. B. EDC16U31) und Hardware-Nummer
  3. Software-Stand (falls auslesbar)
  4. Foto des Typenschilds – das klärt die meisten Fragen in einem Schritt

Wenn Sie ein Spender-Gerät haben: dieselben vier Angaben dazu. Wir prüfen dann kostenlos, ob ein 1:1-Klon möglich ist.

Häufige Fragen

Kann man ein EDC17 über OBD klonen?

Für einen vollständigen Klon nein. Die Verriegelung greift vor dem Zugriff auf die relevanten Bereiche. Es gibt Teilverfahren über OBD, die aber kein 1:1-Abbild erzeugen.

Warum ist bei manchen Geräten kein EEPROM-Baustein zu finden?

Weil die entsprechenden Daten virtuell im Prozessor-Flash liegen – etwa beim EDC16CP31 oder bei vielen EDC17-Geräten. Das ist kein Fehler, sondern Bauart.

Kann ich ein Gerät aus einem anderen Fahrzeug gleicher Baureihe nehmen?

Nur wenn Hardware-Nummer und Software-Stand identisch sind. „Gleiche Baureihe“ reicht nicht – innerhalb einer Baureihe gibt es oft ein Dutzend Varianten.

Was passiert, wenn nur der EEPROM kopiert wird?

Das Fahrzeug springt in vielen Fällen an, fährt aber mit der Software des Spenders. Ergebnis: falsche Kennfelder, unpassende Codierung, sporadische Fehler. Deshalb ist ein Vollklon über alle Bausteine der Standard.

Wie lange dauert das Klonen?

In der Regel 1–2 Werktage ab Ankunft des Geräts, zuzüglich Versandzeit.

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Rayen Slimane

Spezialist für ECU-Programmierung, Kennfeldoptimierung und Web-Entwicklung in Dortmund 44147

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